DER KAUF VON CONDOR DURCH DIE POLNISCHE LOT KANN SIGNALWIRKUNG HABEN

DER KAUF VON CONDOR DURCH DIE POLNISCHE LOT KANN SIGNALWIRKUNG HABEN

Um die Polen-Witze ist es ruhiger geworden. Es fällt zudem auf, dass Polen zum Jobben lieber an die Themse als an den Rhein ziehen. Ukrainische Gastarbeiter bleiben ohnehin lieber gleich im polnischen Wirtschaftswunderland. Mercedes Benz baut eine Batteriefabrik in Schlesien, Westinvestoren loben das Wirtschaftsklima an der Weichsel, Touristen die gute Infrastruktur (Autobahnen). Statistiken belegen, dass der östliche Nachbar gerade Österreich und die Schweiz im Handel mit Deutschland überholt hat. Jetzt übernimmt noch medienwirksam die Fluglinie LOT die deutsche Traditionsmarke Condor. Was ist da passiert im einstigen Armenhaus Europas?

Kapitalismus und nicht EU-Gaben der Wachstumsmotor

So manche Deutsche, die Polen nicht objektiv gesonnen sein wollen, suchen krampfhaft die Ursache in den mickrigen EU-Subventionen (acht Milliarden Euro oder 0,7 Prozent des BIP), viele älteren sogar in der „Bereicherung durch die annektierten deutschen Ostgebiete“. Eine solche Realitätsverweigerung will nicht wahrhaben, dass die Marktwirtschaft nicht nur in Deutschland Wirtschaftswunder möglich gemacht hatte und dass auch die der „Faulheit“ verdächtigten Nationen mit ihm umzugehen verstehen. Einige Merkel-Verzweifelte sind einfach neidisch, weil es im Osten einen starken Staat gibt, in dem das Multikulti-Chaos ausbleibt und hunderttausende Polen ihre nationale Identität in Demonstrationen zum Ausdruck bringen dürfen.

Bei drei Prozent Wachstumsvorsprung wird Deutschland in einer Generation eingeholt

Es geht noch weiter. Wenn Deutschland weiter stagniert, wird es beim Pro-Kopf-Einkommen kürzer als in einer Generation bzw. in weniger als 20 Jahren von Polen eingeholt. Das ergibt rein mathematisch der Wachstumsvorsprung von drei Prozent jährlich (im Vorjahr waren es vier Prozent). Nach IWF-Zahlen belief sich 2018 das BIP pro Kopf auf 52.000 US-Dollar (nach Kaufkraft) in Deutschland und 32.000 US-Dollar in Polen.

Absolut gesehen würde die deutsche Wirtschaftskraft in zwanzig Jahren bevölkerungsbedingt dann zwar immer noch doppelt so stark wie die polnische sein. Kann das jedoch der Anspruch des einstigen europäischen Champions sein? Hier eine Anmerkung am Rande: Bei allem Selbstlob hat es hierzulande niemand so richtig bemerkt, dass wir die absolute BIP-Führung mit 4,5 Bill. US-Dollar in diesem Jahr wohl früher als erwartet an Russland verlieren werden. Von wegen die stärkste Wirtschaft Europas!

Deutsche Konzerne behalten die Oberhand, aber wem werden sie in 20 Jahren gehören?

Mehr Einkommen bedeutet nicht zwngsläufig mehr Vermögen, das erst in Jahrzehnten aufgebaut werden muss. Hier bleibt der riesige Vorsprung Deutschlands in einer Generation wohl noch erhalten. Auch die osteuropäischen Konzerne stehen noch meilenweit hinter den DAX-Titeln, wachsen dennoch kräftig. Ein Blick auf die Forbes-Liste der 200 größten Weltkonzerne zeigt, dass die Musik dabei ohnehin in den USA und China spielt und Europa bzw. Deutschland weit abgeschlagen bleiben (Volkswagen Platz 18.). Nicht-russische Osteuropäer sind in der Bestenliste erst gar nicht zu finden. Der russische Nord Stream 2-Lieferant, der Energieriese Gazprom, belegt hier gerade den Platz 40.

Die Condor-Übernahme ein „Kleingeschäft“, aber mit Signalwirkung

In globalen Umfeld ist der Deal zwischen der verstaatlichten polnischen LOT und der durch die Pleite von Thomas Cook angeschlagenen Condor allenfalls ein Spiel in der Regionalliga. Zum Vergleich; Bayer hat für Monsanto über hundert Mal mehr gezahlt!

Die Polen sollen mit 600 Millionen Euro ohnehin für die veraltete (18 Jahre im Durchschnitt, bei LOT acht Jahre) und personalintensive (5000 Beschäftigte bei Condor, 2000 bei der neuen Muttergesellschaft) Flotte zu viel geboten haben. Die Deutschen haben Grund zur Freude, dass sie nicht in Hände einer mitbietenden US-Heuschrecke fielen. In Warschau wird der Deal an die große Glocke gehängt, das Land und die regierende PiS hegen weitere Ambitionen – der Flughafen Warschau soll bis 2027 expandieren und mit 100 Millionen Fluggästen mehr bedienen als heute Frankfurt.

Alles nur purer „Wirtschaftspopulismus“ eines erwachenden Staatskapitalismus oder reelle Chance?

Osteuropa holt uns ein und wir versinken im Eigenlob, Tricksereien und Migrationsherrlichkeit

Fakt ist: Osteuropa holt uns allmählich ein, weil Deutschland stagniert. Und was berichten unsere Medien- und Politik-Eliten? Weiter so, wie gehabt.

Wer die Wachstumsprognosen der Schätzer – von IWF bis Ifo – und ihre Finanzierung vergleicht, wird schnell erfahren, wer die Musik bezahlt. Was soll dabei schon Objektives herauskommen, wenn Berlin im Großteil die deutschen „Institute durchfüttert“? Ist es ein Zufall, dass sich alle Prognosenmacher in eine Richtung zugunsten der Regierung, sowohl 2018 als auch 2019 geirrt haben?

Wie wird es weiter gehen? In den Überschriften des Mainstreams ist zu lesen, alles sei halb so schlimm. Delle, Abschwächung, Verlangsamung, Abkühlung, Mini-Plus, Aufschwungsende. Mit einem blauen Auge davongekommen, ja – Rezession oder sogar Wirtschaftskrise, nein.
Hier und dort versuchen Durchhalteparolen die Lage zu entschärfen und Mut zu machen: Gesamtstaat macht Überschuss – wird triumphierend festgestellt. Soll wohl heißen, es geht uns nicht so schlecht, wenn wir noch Geld zum Sparen haben (Indien spart auch!). Ah ja, das Job-Wunder nicht zu vergessen.

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*