Keine Angst vor dem Staatsbankrott

Staatsbankrott - Wann ist ein Staat pleite?

Historie: Staatsbankrotte kommen häufig vor Eine Definition fehlt Spätestens seit der Griechenland-Krise kursieren in verschiedensten Varianten Horrorvorstellungen möglicher Auswirkungen eines Staatsbankrotts der Hellenen und die Ansteckungsgefahr für die anderen PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien und Spanien). Als Ergebnis wird ein schuldeninduzierter Wirtschaftscrash befürchtet, der seinen Anfang an den globalen Kapitalmärkten nimmt, später die Realwirtschaft ansteckt und schließlich mit dem Zerfall der Eurozone endet. Dies würde eine erneute Fortsetzung bzw. Verschärfung der gegenwärtigen Finanzkrise bedeuten, als ob die Welt nach Subprime-, Banken-, Hypotheken-, Island- oder Dubaikrise und anderen Desastern nicht schon genug erlebt hätte! Ist aber ein solches Staatsbankrott-Szenario realistisch und bedeutet es tatsächlich eine neue Krisendimension? Bereits an dieser Stelle kann Entwarnung gegeben werden. Staatsbankrotte bilden in der Wirtschaftsgeschichte eher die Regel als die Ausnahme. Nach einer Studie von C. Reinhart und K. Rogoff auf die später eingegangen wird – war selbst das musterhafte Deutschland seit dem Jahr 1800 siebenmal und insgesamt 26 Jahre lang bankrott, zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Währungsreform im Jahr Danach kamen bekanntlich die fetten Jahre des westdeutschen Wirtschaftswunders. Demnach kann ein Staatsbankrott wohl nicht das Ende der wirtschaftlichen Existenz eines Landes oder eines Volkes sein. Darf der Staatsbankrott andererseits verharmlost werden? Wohl kaum. Selbst ein Laie wird zugeben, dass der Staatsbankrott als Ausdruck der Misswirtschaft nicht einfach hingenommen werden darf. Ein Staat wird für seine Misswirtschaft einen Preis zahlen müssen.

Die EU-Wohlstandsbürger haben heute Angst, dass dieser Preis im Falle von Griechenland zu hoch ausfallen und die befürchtete Wiederauflage der Weltwirtschaftskrise von 1929 eintreten könnte. Was ist konkret ein Staatsbankrott? Im Unterschied zu einer vergleichbaren Situation bei Privatpersonen und Unternehmen gibt es hierfür keine Legaldefinition. Alternativ werden für das Phänomen Begriffe wie Konkurs, Pleite, Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz verwendet. Es kommt dabei nicht auf die bloße Semantik an, sondern auf den ökonomischen Hintergrund und die Folgen für die Realwirtschaft und den Kapitalmarkt. Diese und verwandte Fragen werden im vorliegenden Fokus behandelt.

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ApoFokus (28 Seiten)

6/2010

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