Peinlich: Focus löscht kritischen Artikel zu ARD-Gehältern

Peinlich: Focus löscht kritischen Artikel zu ARD-Gehältern

9422 Euro Monatskosten pro MitarbeiterARD-Gehälter zeigen: Forderung nach höheren GEZ-Gebühren ist dreist

Freitag, 11.01.2019, 08:54

Die öffentlich-rechtlichen deutschen Sender jammern über die angeblich zu geringen Rundfunkgebühren. Sie hätten gerne einen Aufschlag. Doch ein aktueller Medienbericht legt offen: Die ARD zahlt ihren Mitarbeitern Top-Gehälter. Bevor er den Gebührenzahler erneut zur Kasse bittet, muss der Sender seine exorbitanten Personalkosten senken.

Die deutschen öffentlich-rechtlichen TV- und Radiosender nehmen pro Jahr mit der Rundfunkgebühr rund acht Milliarden Euro ein. Rund 5,5 Milliarden davon landen bei der ARD. Derzeit liegt der Monatsbetrag bei 17,50 Euro. Jeder Bürger ab 18 Jahren mit einer eigenen Wohnung muss die Abgabe zahlen. Auf der offiziellen Internetseite zum Rundunkbeitrag heißt es beruhigend: „Wohnen mehrere Personen zusammen, zahlt nur eine Person den Beitrag von 17,50 Euro im Monat.“

Mit den Gebühren finanzieren die Bürger unter anderem mehr als 20 TV- und fast 70 Radiosender. Das Geld wird ausgegeben für Sendebetrieb, Verwaltung und Personalkosten. Und gerade die haben es in sich.

ARD: Jeder Mitarbeiter kostet im Jahr 113.060 Euro

Im Jahr 2018 verursachte jeder ARD-Angestellte im Schnitt 113.060 Euro jährliche Kosten, wie es in einem Bericht der Website „heise.de“ heißt. Das entspricht monatlichen Personalkosten von 9422 Euro – pro Mitarbeiter. Das ermittelten die Autoren mithilfe der Zahlen der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) vom Februar 2018. Im dem Betrag enthalten sind alle Kostenarten – also neben dem Gehalt auch Sozialabgaben und Aufwendungen für die Altersversorgung für die Mitarbeiter.

Die Rechnung:

Kosten für Personal und Altersvorsorge: 2,159 Milliarden Euro

Anzahl Mitarbeiter: 19.096

Kosten pro Stelle im Jahr: 113.060 Euro

Kosten pro Stelle im Monat: 9421,69 Euro

Die jeweiligen Kosten umfassen zwei Hauptbestandteile: Das Monatsgehalt schlägt mit 7717 Euro zu Buche, pro Jahr sind das 92.604 Euro. Dazu kommen Beträge für die Pensionsrückstellungen. Sie finanziert die zukünftige Betriebsrente. Pro Monat und Mitarbeiter liegt dieser Betrag bei fast 1705 Euro, jährlich 20.446 Euro.

ARD hat viel höhere Personalkosten als privater Konkurrent ProSiebenSat.1

Mit den genannten Beträgen geht es den ARD-Mitarbeitern blendend. Der private Konkurrent ProSiebenSat.1  hat laut dem Bericht eine Personalkostenanteil von 16 Prozent. Bei der ARD übersteigt der Wert 50 Prozent, einbezogen sind Personalaufwand und Altersversorgung für alle fest angestellten und freien Mitarbeiter. Das bedeutet: Die ARD hat dreimal so hohe Personalkosten wie ProSiebenSat.1.

Allerdings gibt es bei „heise.de“ hinsichtlich der Werte für ProSiebenSat.1 gewisse Unstimmigkeiten, denn der Geschäftsbericht des Medienunternehmens selbst weist für 2017 auf Seite 204 folgende Zahlen aus:

Personalaufwand (Löhne und soziale Abgaben): 660 Millionen Euro

Anzahl der Vollzeit-Mitarbeiter: 6452

Dividiert man den Personalaufwand durch die Mitarbeiterzahl, ergibt sich bei ProSiebenSat.1 ein jährlicher Aufwand pro Mitarbeiter von gut 102.000 Euro.

Wie auch immer die Zahlen des privaten Anbieters ProSiebenSat.1 zu bewerten sind: Dass die ARD Einsparpotentiale nutzen könnte, lässt sich nur schwer von der Hand weisen. Das belegen die weiteren Fakten.

Deutsche Arbeitnehmer verdienen monatlich 3209 Euro brutto

Auch im Vergleich zu „normalen“ Arbeitnehmern können sich die ARD-Beschäftigten nicht beklagen. Laut den Statistiken der Bundesarbeitsagentur lagen die monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2017 bei 3209 Euro. Beschäftigte in den alten Bundesländern kamen auf 3339 Euro, im Osten lag der Betrag bei 2600 Euro monatlich.

Bei den Werten handelt es sich jeweils um den Median – das bedeutet: Die Hälfte der Arbeitnehmer verdient weniger, die andere Hälfte mehr als den ausgewiesenen Betrag. Damit handelt es sich beim Median um den rechnerischen Mittelwert der Bruttoeinkommen aller Arbeitnehmer.

Die Bruttobezüge eines Arbeitnehmers zeigen allerdings noch nicht die Gesamtkosten, die ein Unternehmen für einen Mitarbeiter ausgibt. Die Lohnnebenkosten der Arbeitgeber müssten noch dazugerechnet werden – erst dann sind die BA-Zahlen mit den ARD-Daten vollständig vergleichbar. Das bedeutet: Die Medianwerte zu den Arbeitseinkommen erhöhen sich noch um die Lohnkosten, die nur beim Arbeitgeber anfallen.

Dennoch zeigt sich bereits hier: Der durchschnittliche Arbeitnehmer kann von den Einkommen der ARD-Bediensteten nur träumen.

Das verdienen ARD-Mitarbeiter pro Jahr

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Die Gehaltstruktur bei der ARD, Stand 2017

Bemerkung am Rande: Der Monatslohn von Top-Verdiener Tom Buhrow übersteigt mit 33.250 Euro das Gehalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Trotz der Geldflut fordern ARD und ZDF höheren Rundfunkbeitrag

Trotz ihrer üppigen Finanzaustattung hätten die Öffentlich-Rechtlichen gern mehr Geld. Die aktuell 17,50 Euro sind bis zum Jahr 2020 festgeschrieben. Danach entscheidet die KEF neu. Doch bereits jetzt scharren die Sender-Granden mit den Füßen. ZDF-Intendant Thomas Bellut steht bei Forderungen nach einem Gebührenanstieg  in Treue fest zu den ARD-Oberen – von Konkurrenz keine Spur. Bellut rechnete jüngst vor, dass der Beitrag derzeit bei 18,35 Euro monatlich liegen müsse, damit die Sender ihre Kosten bestreiten können.

ARD unzufrieden mit Medienberichten

Die ARD erklärt im Internet, dass die „Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ARD auf Tarifverträgen basieren, die mit Gewerkschaften geschlossen werden“. Damit will der Sender zum Ausdruck bringen, dass es verbindliche rechtliche Grundlagen für die Entlohnung seiner Mitarbeiter gibt.

Gegenüber FOCUS Online kritisiert die ARD den Bericht von „heise.de“. Darin würden „Äpfel mit Birnen“ verglichen. Konkret wirft die ARD der Berichterstattung über die Sender-Gehaltsstruktur vor, „die einschlägigen Autoren wechseln zwischen Bruttoangaben mit Altersversorgung und ohne Altersversorgung“.

Daneben sei zu beachten, dass es sich bei den Zahlen der KEF um den Personalaufwand pro Kopf handele und keineswegs um die Vergütung pro Kopf. In die Werte flössen auch „Gehaltsbestandteile wie Überstundenzuschläge, Mehrarbeitsvergütungen, Zeitwertkonten, Familienzuschläge oder Abfindungen“ ein.

Falsch sei auch die Behauptung, so die Mitteilung des Senders, dass die ARD-Personalkostenquote bei 50 Prozent des Gesamtaufwands liege. Der Sender korrigiert: „Die korrekte Zahl lautet 31 Prozent.“

Es ist das gute Recht der ARD, die Berichterstattung über üppige Gehälter zu korrigieren. Doch selbst eine Personalkostenquote von „nur“ 31 Prozent ist bemerkenswert: ProSiebenSat.1 kommt mit knapp der Hälfte aus. Es stellt sich daher die Frage, ob die Gebührenzahler angesichts solcher Unterschiede ab 2020 noch stärker zur Kasse gebeten werden sollten – oder ob die Beiträge nicht jetzt schon zu hoch sind.

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