Quo vadis Belarus? Warum Lukaschenka mit seinem Isolationskurs vielleicht Recht hatte

Quo vadis Belarus? Warum Lukaschenka mit seinem Isolationskurs vielleicht Recht hatte

In den „Unruhen“ in Belarus und den „Protesten“ in Russland, die wie in Honkong ohne ökonomisch

en Grund ablaufen, sehen die Westmedien unisono den Kampf gegen die letzten Diktaturen in Europa. Ignoriert wird dabei der legitime Wunsch der Oststaaten nach sta

rken Präsidenten, die Ablehnung des Berufspolitikerkaste und last but not least ihre ökonomische und soziale Stabilität. Klar, beide Länder sind keine Eldorados. Es lohnt sich aber ihre funktionierenden Wirtschaften anzuschauen, um zu verstehen, wie lächerlich irgendwelche „Sanktionsdrohungen“ des schwächelnden Westens sind.

Es geht voran – das Beispiel Wirtschaftsleistung pro Kopf

Von den Indikatoren eignet sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – die „Mutter aller Kennzahlen“, – am ehestens für die Kurzanalyse der Wirtschaftskraft. Wichtig sind das Niveau, die Dynamik und der Vergleich mit den Nachbarn (hier die EU). Bereits eine simple Graphik kann vieles erklären:

Erstens: Die Ökonomien Weißrusslands/Russlands sind nach dem Zerfall des Sowjetreiches massiv eingebrochen; bis zum Umkehrtrend 1996-1998 dauerte es fünf bis acht Jahre.

Zweitens: Ihr Start war damit schwieriger als der osteuropäischer EU-Neulinge. Sie haben aus eigener Kraft ohne Auslandskredite und EU-Subventionen zum Wachstum gefunden, die Ukraine („zerfallender Staat“) und einige andere Ex-Sowjetrepubliken nicht. Das lag an den Regierungen:

Drittens: Obwohl Kiew vom Westen dauernd subventioniert wird und in Schulden versinkt hält der Exodus seiner Fachkräfte – auch das Baltikum wird entvölkert – an. Corona verschafft dem nur eine kleine Unterbrechung. Investoren meiden die Ukraine.

Viertens: Nicht zuletzt wegen der China-Orientierung (Neue Seidenstraße) und starker Position in den Emerging Markets haben beide Länder sichere Absatzmärkte und gute Perspektiven: Russland wird Deutschland als stärkste Wirtschaft Europas irgendwann 2021 -2022 überholen. Pro Kopf hat es mit 25.000 USD und einem durchschnittlichem Jahreswachstum von 3,5% ab 1998 schon einige EU-Länder hinter sich gelassen.

Soviel im Telegrammstil. Die obigen Thesen sind nicht unumstritten, die Analyse dennoch ökonomisch fundiert und so gut oder schlecht wie alle anderen.

Warum protestieren heute die Weißrussen, wenn sie nicht schlechte Aussichten haben?

“Alleinherrscher“ Lukaschenka hat in einem Interview mit Russia Today (RT) –  der Sender ist im Westen wegen unbequemer Übertragungen von Demos in Deutschland (Berlin) und Frankreich bekannt  –https://www.youtube.com/watch?v=9VeQcTpHqww –Gründe für die Proteste genannt, die nicht dumm klingen. Billige Standardausreden, die westliche Infiltration sei am allen schuld, fand man darin kaum. Ob es Berechnung, oder Einsicht war, ist schwer zu sagen. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  1. Im Zuge jeder positiven Wirtschaftsentwicklung strebt ein sich bildendes „Bürgertum“ (wörtlich auch „bei uns“) den Wusch nach politischer Beteiligung.
  2. Eine echte „Opposition“ ist in Belarus (noch) nicht vorhanden, kleine Gruppen zerstritten. Die Proteste von Dutzenden junger hübschen Mädeln als „Unruhen“ zu bezeichnen ist einfach lächerlich https://www.merkur.de/politik/belarus-maria-kolesnikowa-weissrussland-lukaschenko-putin-opposition-proteste-wahl-festnahme-zr-90038312.htm. Schaut man auf das gewöhnliche Werden politischer Parteien (selbst in Russland!), so fehlt diese Phase in Belarus vollkommen.
  3. Mit wem und über was sollte er, Lukaschenko, reden und auf der Basis welcher Legitimation? Er biete sich aber gerne als Mediator zwischen Macron und den Gelbwesten in Frankreich an! EU-Träume sind für belarussische Realität reine Utopie und der „bunte Majdan“ nach dem ukrainischen Vorbild sowie die Trennung von Russland eine Katastrophe. Die Krise in Jelzins Russland (1992-2000) mit der gescheiterten Westorientierung lässt warnen. Putin ist zwar nicht optimal, von den Russen gewollt. Fällt er, fällt Russland. https://www.amazon.de/Die-M%C3%B6glichkeit-russischer-Imperialpolitik-ebook/dp/B01HFCX7U0
  4. Hier aufgepasst: Nach 26 Regierungsjahren wird jeder Landesvater – so auch er Lukaschenka – „seinem Volk zu langweilig“, egal ob er ein guter oder schlechter Führer ist. Einige können sein Gesicht nicht mehr sehen, was er versteht. Ob diese Erkenntnis Putin gefallen wird?

Wie könnte es weiter gehen? Gibt es zu Lukaschenka keine Alternative?

Der gute Alexander will nur weiter regieren, wenn möglich auch im Familienclan über seinen älteren Sohn. Er betreibt keinen Personenkult. Proaktive Repressionen und Überwachungsmethoden nach chinesischem Muster sind ihm fremd. Dennoch scheint er übertriebene Angst vor dem Machtverlust zu haben, wodurch auch die strenge Abschottung des Landes resultierte. Die Zusammenarbeit mit der ihn unterstützenden orthodoxen Kirche klappt hervorragend, Reisefreiheit ist ebenso kein Thema. Ironisch gemeint könnte Alex als ein „guter Diktator“ gelten, wenn man ihn gewähren lässt.

Um auf friedliche Weise der Status quo zu sichern wäre in diesem Umfeld vor allem die Jugend zu beschäftigen und mehr „Scheindemokratie“ zuzulassen. Bis neue politische Parteien dem System gefährlich werden, wird viel Wasser den Dnepr herunterfließen. Russland und Weißrussland würden mit mehr „Kapitalismus von unten“ besser fahren als heute, wie es China und Vietnam vorgemacht werden. In Weißrussland als dem einzigen europäischem Land gibt es z.B. keine Wertpapierbörse – die lange Zeit die Vietnamesen im Rusch hielt. Dank guter Ausbildung und Disziplin steht den Weißrussen der Weg zur mehr Leistungsgesellschaft offen.

Solche Reförmchen wären der „Opposition“ sicher zu wenig, zumal wenn sie Rückenwind vom Westen spürt. Im Zweifelsfalle wird Lukaschenka sogar gehen, es sähe seinen Abgang in einem „von oben“ reformierten Verfassung gar nicht so tragisch – was uns überrascht. So manche <Weißrussen werden sich böse wundern, wenn sie merken wie arrogant die EU sein kann, wenn Mitgliedstaaten oder Beitrittskandidaten als populistisch (Polen!) auffallen. Vielleich merken sie auch, dass sie bis auf Russland von allen Seiten von Feinden mit Stacheldrahtzäunen getrennt wurden. Die bösen Russen und ihre Verbündeten!  https://www.youtube.com/watch?v=QiYsEV0T7hs&t=42s

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*