REICH WERDEN MIT ARD UND ZDF Was verdienen die „Big Five“ der deutschen Polit-Talkshows?

REICH WERDEN MIT ARD UND ZDF  Was verdienen die „Big Five“ der deutschen Polit-Talkshows?

Von DR. VIKTOR HEESE | ARD und ZDF bringen die GEZler immer wieder auf die Palme. Verärgerte sie diese erst kürzlich mit der „Notwendigkeit“ der Gebührenerhöhungen, so macht aktuell das ominöse Framing-Gutachten zur Kommunikationsverbesserung Schlagzeilen. Heikel ist nach wie vor die alte Frage, was die Nutznießer der Öffentlich-Rechtlichen wirklich verdienen. Es ist unverändert spannend auf der Basis der Internet-Quellen exemplarisch die Big Five des Talk-Betriebes (Will, Illner, Maischberger, Plasberg, Lanz) unter die Lupe zu nehmen. Reich dürften die Promis sicherlich nicht durch die üppigen unbekannten Moderatorengehälter, sondern durch die Programmlieferungen an die ARD aus eigenen Produktionsfirmen werden.

Wer abhängig ist, sollte das Publizieren über die ARD meiden

Kürzlich ermittelte ich aus offiziellen Zahlen die Arbeitskosten bei der ARD mit 9442 Euro pro Monat und wurde von Heise/Telepolis gefeuert (PI-NEWS berichtete). Ver.di warf mir sogar vor, Stimmung mit „Halbwahrheiten“ zu machen und rückte mich in „Nazi-Nähe“. Auch Focus, das meine Idee aufgriff, kniff und löschte den kritischen Artikel zu ARD-Gehältern.

Ver.di kam ohne nachzuweisen nur auf 5.400 Euro monatlich. Auch wenn diese Zahlen, gestützt durch ARD-Angaben, stimmen sollten, wird selbst dem Laien die Differenz schnell klar. Die Gewerkschaft vertritt nur die unteren Einkommenschargen und spricht nicht für die Außertariflichen und die Promis. Was die Big Five des Talk-Geschäfts mit ihren individuellen Verträgen verdienen, bleibt süßes Geheimnis. Die Gage dürfte wohl eher bei der durchschnittlichen monatlichen „Grundvergütung“ (kommt da noch etwas dazu?) eines WDR-Direktors von 18.328 Euro brutto in 2016 als der eines Bereichsleiters (11.456 Euro) liegen.

Selbst mit solch hohem Salär kann man sicherlich nicht reich werden. Auch bei 20.000 Euro monatlich, einer Abgabenquote von 50 Prozent, würde sich bei einem monatlichen Sparbeitrag von vielleicht 5000 Euro so schnell kein Millionenvermögen aufbauen lassen. Es sei denn, die Stars hätten viel Glück an der Börse. Die Homepage eines seriösen Gehaltsreporters schätzt zum Beispiel für Markus Lanz ein Vermögen von drei bis vier Millionen Euro und ein Jahreseinkommen von 500.000 Euro. Wie kommen derartig hohe Beträge zustande?

Moderatoren spielen Unternehmer auf Kosten der Beitragszahler

Vor etwa zehn Jahren hatten Top-Moderatoren (Christiansen, Schmidt, Gottschalk, Jauch) nach dem US-Vorbild eigene Produktionsfirmen ins Leben gerufen, die angeblich eine Win/Win-Situation sowohl für den Moderator als auch den Sender bedeuten sollten. Ob alle Willigen „produzieren“ dürfen oder nur die Stars ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad, bleibt offen. Wer Einzelheiten erfahren will, muss im Internet nachgoogeln (Beispiel). Laut diesem Lieferkonzept arrangiert der Moderator alles für seine Sendung – hier die Talkshows – in Eigenregie. Das Verfahren sei angeblich billiger und flexibler. Die Mittelzuweisung erfolgt nach „harten Kalkulationsverhandlungen“, aber ohne externe Prüfer. Glauben Sie das? Zu dem Umfang der Bestellungen, den Gewinnen der Produktionsfirmen und anderen Vertragsmodalitäten drängt nach außen nichts durch. Betriebsgeheimnis. Ausgewichen wird stattdessen gerne auf die nichtssagenden Produktionskosten pro Minute.

Dienstleistungen für den eigenen Arbeitgeber werden in der realen Wirtschaft nur Scheinselbständige (arme Schlucker!) oder die Bosse großer Firmen – dann aber bitte heimlich! – liefern dürfen. Wenn bei Vorständen der Börsengesellschaften etwas über unerlaubte Consulting-Vergaben öffentlich wird, werden die Damen und Herren von den Aktionären in Stücke gerissen. Auch unsere liebe Ursula von der Leyen muss heute bangen. Bei ARD/ZDF sei diese Praxis hingegen völlig legal.

Transparenz- und Abhängigkeitsbericht nötig

In ihren Produktionsbericht nennen zwar die Anstalten die Listen ihrer „Zulieferer“ und unterteilen diese in abhängige (mit Senderbeteiligung) und unabhängige (Fremdfirmen). In welchem Umfang, an wen und wie häufig die Produktionsaufträge vergeben werden, erfährt der Leser nichts.

Daher tut ein echter Transparenz- und Abhängigkeitsbericht – nicht nur für die Moderatoren – Not:

1. Wer von den ARD/ZDF-Angestellten liefert über seine direkten und indirekten Beteiligungen an Produktionsfirmen Produkte an seinen Arbeitgeber und in welchem Umfang?
2. Offenlegung aller Nebeneinkünfte dieser Angestellten, so wie es bei den Bundestagsabgeordneten und Beamten gesetzlich geregelt ist. Diese Forderung ist zwar alt, sollte aber in der aktuellen Kritikphase um die ARD erneut aufgegriffen werden.
3. Offenlegung der Kostenkalkulationen der Angebote, die von externen Unternehmensberatungen zu prüfen wären – auch ein gutes Thema für eine Masterarbeit, wenn sich ein mutiger Promotor fände.
4. Offenlegung der Konkurrenzangebote von Fremdfirmen bei Großaufträgen über X-Millionen Euro, die aus Wettbewerbsgründen zur Ausschreibung herangezogen werden müssten.
5. Last but not least eine Frage an ver.di: Gehen durch die Auslagerung der Produktion an die Moderatoren-Firmen bei ARD und ZDF Arbeitsplätze verloren?

Wo bleibt eine „Deutsche Fernseh-Hilfe“ (DFH)?

Mit Sicherheit bekommt jeder Fragesteller von der ARD hierzu nur ausweichende Antworten. Auch die zahlreichen Internet-Publikationen und Petitionen – so wie gegen Markus Lanz wegen Sahra Wagenknecht – werden wenig ausrichten. Das ARD-System ist mächtig. Kann der Beitragszahler dennoch nichts tun?

Das ist zu bezweifeln. Wer über den Klageerfolg der gerade 347 Mitglieder zählenden Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) staunt, sollte fragen, warum die Millionen GEZler statt die Gebührenboykotteure zu feiern keinen ebenso schlagkräftigen Verein gründen. Die einzuklagenden Auskünfte zu oben wären in diesem Kontext nur der Anfang eines langen Reformprozesses bei der ARD. Denn gerade bei dem heiklen Thema ARD-Honorare könnte die Bewegung mit breiter Unterstützung der etablierten Medien, der Parteien (FDP, Linke) und nicht zuletzt der ARD-Benachteiligten selbst rechnen. Dann wäre es mit den lockeren Sprüchen wie der „Demokratieabgabe“ (WDR-Chef Tom Buhrow über die GEZ-Gebühren) oder über populistische Beschuldigungen der Rundfunk-Protestler vorbei.

Solange unsere Promis aber keinen echten öffentlichen Druck verspüren, werden die Jungs und Mädels munter weiter machen. Es ist ja juristisch alles OK. Lanz bastelt wohl gerade an neuen Ideen, Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers versuchte noch schnell auf den fahrenden Zug aufzuspringen und Günther Jauch – geschätztes Vermögen 50 Millionen Euro! – erkennt womöglich gerade die Zeichen der Zeit und kritisiert plötzlich seine alten Arbeitgeber.

Und die Zuschauer und Nicht-Zuschauer zahlen und zahlen und zahlen…

Was verdienen die „Big Five“ der deutschen Polit-Talkshows?

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