USA oder China: Wer ist der (ökonomische) Weltmeister?

USA oder China: Wer ist der (ökonomische) Weltmeister?

Es ist schwierig „den Sieger“ im Handelsstreit zwischen den USA und China zu nennen. Der Konflikt ist erst der Anfang einer großen Auseinandersetzung beider Mächte um die ökonomische Globalherrschaft. Wie stark sind die Chinesen wirklich, wenn sie den USA Paroli bieten, zeigt die untere Kurzanalyse. Egal wer „gewinnt“, die EU/Deutschland werden nicht als der lachende Dritte aus der Bataille hervorgehen.

Analysten ist aufgefallen, dass das BIP (Faktor 1) zur Beantwortung der Frage „Wer regiert (wirtschaftlich) die Welt?“ nicht ausreicht. Auch sind das Auslandskapital (2)), das Inlandsvermögen (3) und die Großkonzerne (4) eines Landes hinzuziehen. Wirtschaftliche Macht kann sowohl feindlich (Handelskrieg, Embargo) als auch friedlich (Markteroberung, Wettbewerb) eingesetzt werden. Werden die „Machtfaktoren“ kombiniert, verstärkt sich ihre Wirkung. Deswegen belegen alle Global Player oft bei allen Faktoren vordere Plätze im Weltranking. Ausrutscher kommen vor. Die Schweiz besitzt einige Konzerne von Weltrang (Nestle & Co.), kann aber wegen ihrer Größe niemals zum Global Player aufsteigen. Deutschland wohl auch nicht? https://www.credit-suisse.com/ch/de/articles/private-banking/10-gruende-wieso-die-usa-und-china-den-handelskrieg-meiden-201804/_jcr_content/articleHeader/image.revampimg.1200.high.jpg/handelskrieg-zwischen-usa-und-china.jpg

Wachstum: China besser als die USA

Das BIP eines Landes ist vergleichbar mit dem Gewinn eines Konzerns. Isoliert gesehen ist es per se noch keine Waffe. Es liefert aber die Grundlage für den Aufbau der anderen „Machtfaktoren“ und ist wohl „die Mutter jedes volkswirtschaftlichen Erfolges“. Ein reiches aber autarkes Land ökonomischen kann Einfluss gewinnen, wenn es wichtige Auslandsbeteiligungen kauft, wie die Golf-Staaten in der deutschen Wirtschaft. Im Mittelalter waren das reich Genua und Venedig militärisch mächtig, weil sie Söldner-Armeen anwarben.

Zurück zum Thema. China hatte 2017 mit einem BIP auf der Basis der Kaufkraftparität von 23 Bill. USD die USA mit 19 Bill. USD um 20% deutlich überholt. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt

Durch den 3% bis 4%igen Wachstumsvorsprung, wird sich der Abstand von Jahr zu Jahr noch vergrößern. Für China ist der US-Handel heute noch wichtig aber nicht mehr überlebensnotwendig wie vor 20 Jahren. Ein völliger Abbruch würde eine Reduzierung des chinesischen Wachstums „nur“ um ein Drittel implizieren.

US-Amerikaner immer noch reicher

Der zweite Indikator, das Inlandsvermögen misst die finanziellen und materiellen Aktiva der Bürger eines Landes. Hier liegen die USA nach Crédit Suisse https://www.credit-suisse.com/corporate/de/articles/news-and-expertise/global-wealth-report-2018-us-and-china-in-the-lead-201810.html  deutlich vorne. Sie verfügen über ein Vermögen von 106 Bill., China über nur 52 Bill. USD. Damit die privaten Finanzaktiva zum „Machtfaktor“ avancieren, müssen sie diesem in Form von Anleihen (freiwillig) oder Steuern (unfreiwillig) zur Verfügung gestellt werden. Denn Handelskriege sind genauso teuer, wie die „heißen“ Kriege. Auch beim Inlandsvermögen ist der rasche Sprung der Ostasiaten in die Weltspitze erstaunlich. Geht es in diesem Tempo weiter – das Vermögen des Reiches der Mitte ist seit 2000 um das 14Fache, das der USA nur um das 2fache gestiegen – haben die Chinesen die Amerikaner, auch auf diesem Gebiet, bis 2025 eingeholt.

Chinesen setzen ihr Auslandsvermögen massiv ein

Während das Inlandsvermögen erst aktiviert werden muss, ist das Auslandsvermögen – definiert als Summe der Bestandteile Direkt- und Portfolioinvestitionen, Krediten und Beteiligungen – schon global tätig. Hohes Auslandvermögen wäre theoretisch eine sehr starke ökonomische Waffe. Praktisch kann es allerdings sogar bedeutungslos werden, wenn die Souveränität der Staaten ins Spiel gebracht wird. Es kommt auf den Schuldner an. Im 19.Jahrhundert wurden die Zahlungsunwilligen noch mit „Kanonenbooten“ bedroht. Heute kann China ein armes afrikanischen Land mit der Kreditverweigerung disziplinieren, nicht aber die reichen USA mit der Kündigung ihrer Staatsanleihen.

Rotchina führt mit 2 Bill. USD Nettoauslandsvermögen (Währungsreserven ohne Auslandschulden) die aktuelle Weltliste an, während die USA, durch ihre permanenten Handelsbilanzdefizite, mit 18 Bill. USD weltgrößter Schuldner bleiben. Wenig spricht dafür, dass sich die Verhältnisse bald ändern werden, denn China wird trotz sinkendem Welthandel Exportweltmister bleiben. Wie massiv die Asiaten ihr riesiges Auslandvermögen global einsetzen (Stichwort: Aufkauf auch von deutschen Firmen) ist zu genüge bekannt.

Die Rating-Agenturen kümmert das alles wenig. Es grenzt an eine Farce, wenn die USA ein höheres Kreditrating haben als China. Die Begründung für diese Diskrepanz ist einfach: wer die Rating-Agenturen dominiert, dominiert die Ratings. Eine Konkurrenz hat das Trio Moody, S&P, Fitch nicht zu befürchten.

Bei den Konzernen haben die USA noch leicht die Nase vorn

Der Status der Weltkonzerne als „Machtfaktor“ ist ebenso selbsterklärend, obgleich diese ihren Einfluss ebenso nur indirekt ausüben. Seit Jahrzehnten werden Missbräuche der US-Konzerne beklagt, die im Zweifelsfalle von ihrer Regierung unterstützt werden. Unter den ersten 10, der in der Forbes-Liste nach Umsatz, Gewinn und Mitarbeiter gelistete Multis

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften Unternehmen der Welt sind vier US- und drei chinesische Namen zu finden. Unter den ersten 20 entsprechend neun und drei.

Ist der USD eigentlich die entscheidende ökonomische „Waffe“?

Manche Ökonomen machen sich erst nicht die Mühe und listen keine „Machtfaktoren“ auf. Sie reduzieren die „Machtfrage“ auf die Dominanz des USD der als Reservewährung („Weltwährung“) seit 15 Jahren zu 60% bei globalen Handels- und Finanztransaktionen und zur Reservebildung der Notenbanken eingesetzt wird.  Diese lästige „Dollarherrschaft“ ist kein zwingendes Naturgesetz und wird von China, Russland und anderen großen Schwellenländer heute massiv in Frage gestellt.

Leider unterstützt die EU den USD und schießt sich dabei ein unnötiges Eigentor. Durch den Einfluss auf das europäische Zahlungsabwicklungssystem S.W.F.T., kommt auch der Euro (Weltanteil 20%) unter die US-Kontrolle. https://deutsch.rt.com/wirtschaft/79099-swift-knickt-nach-us-druck/Über den USD und S.W.I.F.T. wären die USA in der Lage jede Iran-Transaktion – auch zwischen Iran und China – zu blockieren. Wenig deutet darauf wenig hin, dass der Yuan bald zur Reservewährung avanciert. Den Clearing-Stellen für den Yuan- oder Rubel fehlt die internationale Akzeptanz. Dem USD wird immer noch mehr vertraut als dem Yuan.

Handelskrieg hin, New Development Bank (früher BRICS-Bank) her, an der heute noch wenig beachteten „Währungsfront“ wird es bald weitere Spannungen zwischen den USA und China geben. Es gilt als sicher, dass das mächtige Peking mit den Verbündeten sehr bald den Kampf gegen den USD aufnehmen werden. Das Projekt Neu Seidenstraße lässt grüßen.

Eine Randbemerkung: China war die meiste Zeit in der Weltgeschichte die führende Wirtschaftsmacht und holt sich sukzessive ihre alte Position zurück. Die Geschichte wiederholt sich doch?

Welche Auswirkungen hat das alles auf Deutschland und die EU?

Wer heute wirtschaftlich „stärker“ ist, die USA oder China, bleibt damit eine Definitionsfrage. Deutschland und die EU hätten ohnehin keine Vorteile, wenn die eine oder andere Seite den „Handelskrieg“ gewinnt. Die verängstigten Europäer beten aus Furcht vor einer weltweiten Rezession derzeit, dass die Handelsgespräche zwischen den beiden Riesen friedlich ausgehen. Sie können aber dazu wenig beitragen. Aufgeschoben ist leider nicht aufgehoben. Und die USA? Die müssen sich gegen die durch China & Co. angestrebte „Neuen Weltordnung“ (auch Vorschlag von Henry Kissinger) wehren. Das versucht Washington über die Beherrschung des globalen Finanzsystems. Wie lange wird dies ihm noch gelingen?

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